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2002

  • Präludium

Besetzung: Orgel

Dauer: ca. 4 min

Während meines Studiums in Wien belegte ich u.a. den Kurs „Orgel für Pianisten“ bei Mag. Karen de Pastel, die sich sehr für meine damaligen Kompositionsversuche interessierte und sie (tat)kräftig förderte und unterstützte. Dieses Stück schrieb ich quasi zum Abschluss dieses Kurses und für einen Sommerkurs in Lilienfeld (Niederösterreich), den ich im Anschluss daran besuchte. Hier experimentierte ich das erste Mal mit freien Taktwechseln und einer markanten Rhythmik, die ich dann später in Köln systematisch weiter entwickelte.

Die Form dieses kurzen Stücks ist frei, improvisatorisch und geprägt von den Wechseln kurzer musikalischer Blöcke auf den verschiedenen Manualen. Das Ende wird durch den Wiederaufgriff der Einleitungsakkorde formal abgerundet.

Uraufführung: Sommer 2002 in Lilienfeld, NÖ

 

  • Stille ist Klang ist Stille

Besetzung: Violine und Klavier

Dauer: ca. 5 min

Dieses Stück schrieb ich an einem einzigen Tag, dem 7. Dezember 2002 innerhalb weniger Stunden. Es war die Zeit, als ich die Musik Arvo Pärts und seinen „Tintinnabuli-Stil“ kennenlernte. Im Kammermusikunterricht in Wien beschäftigten wir uns mit Pärts Werk „Spiegel im Spiegel“, welches für diese Komposition mehr oder weniger als Vorlage diente. „Stille ist Klang ist Stille“ hat allerdings keine so zwingende Struktur, sondern ist freier aufgebaut. Es steht in der phrygischen Tonart, ist also klanglich etwas herber, und der Takt ist ein 9/4-Takt, das sogenannte „Tempus perfectum“ der Musik im Mittelalter.

In dieser Zeit schrieb ich, angeregt durch die meditative Stille vieler Werke von Arvo Pärt, mehrere Stücke in diesem Stil, welche aber zumeist im Experiment stecken blieben.

Uraufführung: Juni 2003 in der Musikuniversität Wien, Violine: Friederike Chudoba

 

2004

  • Etüde im II. Modus

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 3,5 min

Kurz vor Weihnachten 2004 innerhalb von knapp zwei Wochen geschrieben, reflektiert dieses Werk viel von Olivier Messiaens Kompositionstechniken, welche ich damals im Rahmen eines zweisemestrigen Kurses von Martin Herchenröder an der Kölner Musikhochschule näher kennenlernte. Eine der Aufgaben für den Abschluss des Kurses war u.a. die Komposition eines eigenen Stückes nach den Vorgaben des neu Erlernten. Neben dem zweiten Modus (Wechsel von Halb- und Ganzton), welcher die harmonische Basis des Stückes bildet, finden sich hier deshalb auch allerlei rhythmische Besonderheiten wie unumkehrbare Rhythmen, sowie ein generell stark ausgeprägter Gebrauch von Additionsmetrik.

Die Form ist sehr frei, mehr von assoziativer Reihung als von strenger Architektonik geprägt. Trotzdem tauchen Elemente des Beginns kurz vor Ende noch einmal auf, um ein Minimum an strukturellem Zusammenhalt zu gewährleisten.

Uraufführung: Frühjahr 2005 in der Hochschule für Musik und Tanz, Köln

 

2005

  • Etüde im III. Modus

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 6 min

Die Form dieses Stückes ist dreiteilig A-B-A'. Zwei rasche Teile mit dem gleichen thematisch-motivischen Material umrahmen einen langsamen Teil, der deutlich Bezug nimmt auf Messiaens Orgelstück „Les Berges“ aus dem Zyklus „La Nativité du Seigneur“. Der erste Teil stellt den Pianisten vor die Herausforderung rascher Zweiunddreißigstelpassagen in der rechten Hand, während die linke Hand die melodische Hauptstimme hat. Im Schlussteil kehren sich die Verhältnisse um, die Coda beendet das Stück mit Laufwerk in beiden Händen.

Auch dieses Stück entstand recht rasch, innerhalb von zwölf Tagen im Mai 2005. Während Messiaens Klangstil im Mittelteil respektvoll Reverenz erwiesen wird, drehen die Rahmenteile ihm mit ihrem kecken Thema und dem lustigen Figurenwerk förmlich eine lange Nase.

Uraufführung: Herbst 2005 in der Hochschule für Musik und Tanz, Köln

 

  • Streichquartett

Besetzung: 2 Violinen, Viola und Violoncello

Dauer: ca. 15 min

Das Streichquartett ist einsätzig mit langsamem Grundtempo, nur einige Episoden sind bewegter. Die Form kann man wahrscheinlich am besten als eine Art „Variationsrondoform“ bezeichnen, da das Hauptthema bei jeder Wiederkehr stark variiert (um nicht zu sagen: polystilistisch verzerrt) wird. Es tritt fugiert, als Tanz und als jazziger Marsch auf, bevor die letzte Episode den Tonfall des Anfangs wieder aufgreift, das Hauptthema nun in der Umkehrung. Zwischen die Hauptthemenepisoden treten außer dem hymnisch-choralhaften Seitenthema auch freie choralartige Partien von stellenweise mystischer Versunkenheit.

Das Werk entstand im Oktober 2005 innerhalb von ca. 3 Wochen, nachdem ich den Reger-Wettbewerb in Weiden gewonnen hatte. Um mich etwas zu entspannen, begann ich die Hammerklaviersonate zu üben. Die intensive Beschäftigung mit dem langsamen Satz brachte schließlich die Initialzündung für das Werk, das ich dann in einem Zuge niederschrieb.

Uraufführung: November 2014, Domforum Köln, I. Violine: Dimitri Polyzoides, II. Violine: Elisabeth Polyzoides, Viola: Vincent Royer, Violoncello: Michael Polyzoides

 

2006

  • Fuge über B-A-C-H

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 5 min

Nicht viele Komponisten mit Neigung zu polyphoner Musik können der Versuchung widerstehen, ein Werk über diese Töne zu schreiben. Nicht nur wegen der musikhistorischen Bedeutung, sondern weil sich diese Tonkombination so ausgezeichnet kontrapunktisch verarbeiten lässt!

Vier geschlossene Durchführungen, je durch Zwischenspiele getrennt, und eine Coda bilden das architektonische Grundgerüst des Werkes. Die Stimmenanzahl ist nicht festgelegt. Während die Exposition vierstimmig gehalten ist, weitet sich die zweite Durchführung zur Fünfstimmigkeit. Im weiteren Verlauf verringert sich die Stimmenzahl bis zur Zweistimmigkeit, bis der Schluss den musikalischen Satz zur Sechsstimmigkeit steigert.

Der Tonfall ist herb, melancholisch-schmerzlich, eine Reflektion und wohl auch Verarbeitung der schmerzhaften Erfahrungen aus dieser Zeit.

Das Werk entstand zwischen dem 7. und 13. November 2006.

Uraufführung: Frühjahr 2007 in der Hochschule für Musik und Tanz, Köln

 

2007

  • Zirkelfuge

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 6 min

Die Zirkelfuge wurde am 22. März nach etwa zweiwöchiger Arbeit beendet. Der Name ergibt sich aus der Besonderheit, dass das Stück nicht nur einstimmig mit dem Thema beginnt (wie es für eine Fuge üblich ist), sondern auch so endet. Die Zwischenspiele sind sehr ausgedehnt und bilden einen scharfen Kontrast zu den thematischen Partien, welche mehr dramatisch-schmerzhaft-elegisch angelegt sind. Dadurch erfährt das Stück eine Gliederung nach Art eines Rondos.

Der Exposition folgt das erste große Zwischenspiel, welches mit plakativen Ostinati und absichtlichen melodischen Banalitäten ironisiert. In der zweiten Durchführung wird das Thema enggeführt. Das zweite große Zwischenspiel greift zum Teil die Motivik des ersten Zwischenspiels wieder auf, bringt aber seinerseits ein neues musikalisches Element, den hüpfenden Quartsprung, der in die abschließenden beiden Durchführungen mit hineinspielt und das Thema (das in der dritten Durchführung umgekehrt wird) nahezu völlig überformt. In der letzten Durchführung beruhigt sich das musikalische Geschehen, das Thema erscheint wieder in seiner Grundform, eine Stimme nach der anderen erlöscht, bis am Ende nur mehr das Thema übrig bleibt und in der Schwebe endet.

Uraufführung: Herbst 2007 in der Hochschule für Musik und Tanz, Köln

 

2008

  • Enigma-Fuge

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 12 min

Dieses Werk ist eine Doppelfuge und geht auf Ideen und Entwürfe noch aus meiner Wiener Zeit bis ins Jahr 1999 zurück. Sie ist sechsstimmig, wobei die volle Stimmzahl relativ selten erreicht wird. Aufgrund der Länge des Hauptthemas beschränkt das Stück sich auf drei volle Durchführungen. Das kontrastierende zweite Thema erfährt nur eine unvollständige Durchführung mit drei Themeneinsätzen. Engführungen werden ausgespart, nur am Ende erscheinen beide Themen miteinander gekoppelt.

Das Hauptthema erscheint manchmal in teilweise gespiegelter Form, wodurch lange Steigerungs- und Entspannungsstrecken entstehen und auch die Extremlagen des Instruments genutzt werden. Zusammen mit den ausgedehnten Durchführungszwischenspielen und langen Ostinati führt dies zu einer epischen Anlage. Das dreitönige Anfangsmotiv, aus welchem das Thema herauswächst, beherrscht beinahe das ganze Werk bis in die letzte Nebenstimme, wodurch manchmal ein labyrinthischer Eindruck entsteht (siehe Name!).

Ich schrieb das Stück im Frühjahr 2008, einige Monate vor der Abschlussprüfung meines Tonsatzstudiums, in beinahe völliger Zurückgezogenheit, da diese Komposition extreme Konzentration erforderte.

Uraufführung: Herbst 2008 in der Hochschule für Musik und Tanz, Köln

 

2009

  • Toccata

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 7 min

Die architektonische Form dieses Werks ist ein klassischer Sonatenhauptsatz mit Exposition (Hauptthema-Seitenthema-Schlussgruppe), Durchführung, Reprise (nur Hauptthema ohne Seitenthema) und Coda, welche noch einmal Bezug auf die Durchführung nimmt. Das Hauptthema arbeitet mit raschen Doppelgriff- und Akkordrepetitionen, während das Seitenthema melodisch gestaltet ist. In Durchführung und Coda wird das motivische Material der Themen stark variiert (unter anderem erscheint das Hauptthema verjazzt), die spieltechnischen Ansprüche durch rasche Zweiunddreißigstel enorm gesteigert.

Die Entstehung des Werks zog sich mit Unterbrechungen über knapp vier Jahre hin. Ich begann mit der Komposition direkt nach Abschluss des Streichquartetts, bleib aber am Anfang der Durchführung stecken. Zwei Jahre später nahm ich mir den Torso noch einmal vor und brachte ihn auch zum Abschluss, merkte bei der anschließenden Aufführung aber, dass die formalen Proportionen noch nicht stimmten. Anlässlich eines Klavierabends im Sommer 2009 revidierte ich das Werk dann noch einmal und brachte es in seine jetzige Form.

Uraufführung: Sommer 2009 in Geyen (bei Köln)

 

  • Phantasie über ein Thema von Arvo Pärt

Besetzung: Klavier sechshändig

Dauer: ca. 13 min

Hintergrund für die Entstehung dieses Stücks war ein Streit zweier alter Freunde, bei dessen Schlichtung ich vermittelte. Beide sind sehr gute Pianisten, daher wollte ich zur Feier des Tages ein sechshändiges Stück für uns drei komponieren. In dieser Zeit begann ich mich auch wieder mit der Musik Arvo Pärts zu beschäftigen, wobei mich besonders das Thema seines Stückes „Fratres“ faszinierte, in welchem Spannung und Entspannung besonders stark ausgeprägt ist.

Das war der Keimpunkt für die „Fratres-Phantasie“, welche im Grunde eine mehr oder weniger freie Abfolge von Variationen über das Fratres-Thema bildet. Dessen ruhige Bewegung wird langsam gesteigert, gleichzeitig gleitet das Stück allmählich aus seinem Anfangs-Stil heraus. Ihren Höhepunkt findet diese Entwicklung in virtuosem Figurenwerk in allen drei Parts. Im zweiten Teil wird die Bewegung zurückgefahren, wobei das Thema sich in seine Einzelteile auflöst. Das Ende stellt die Ausgangsgestalt des Themas wieder her und kehrt zur Ruhe des Anfangs zurück.

Die Komposition erfolgte im Frühjahr 2009. Obwohl nie eine gemeinsame Aufführung mit meinen beiden alten Freunden stattfand, freuten sich alle beide sehr über das Stück und wohnten seiner Uraufführung im Sommer 2009 im Klavierstudio von Patrick Dieter bei.

Uraufführung zusammen mit Jovita Zähl und Boris Radulovic

 

  • Danses

Besetzung: Klavier vierhändig

Dauer: ca. 12 min

Bei diesem Werk handelt es sich um einen Zyklus von vier Tanzstücken mit extrem entgegengesetzten Charakteren. Ich schrieb sie alle im Herbst 2009 auf Anregung von Jovita Zähl, mit der ich kurze Zeit vorher das pianoduo elaeis gegründet hatte.

  • Joie

Wie der Titel verrät, handelt es sich hier um pure, unverstellte Freude. Dass das Hauptthema in reinen Durakkorden harmonisiert ist, ist hierbei sicherlich nur Zufall... Natürlich macht es sich im weiteren Verlauf auch ein wenig über sich lustig. Nach einem verschmitzt-bäuerlich daher tapsenden Mittelteil kehrt es am Ende triumphal wieder.

  • Danse lente

Szenenwechsel, Schnitt. Der dreiteilige, langsame Schreittanz, welcher in seinem A-Teil an die harmonische Welt Maurice Ravels gemahnt, verbreitet eine melancholische, traurige Stimmung. Der B-Teil bricht mit dieser elegischen Reminiszenz mit bohrenden, sich unerbittlich aus höchster Lage abwärts schraubenden Clusterketten, gegen welche immer größer werdende Akkordtürme über dem festgehaltenen Ton B von unten her ankämpfen. Der Schlussteil greift noch einmal auf Motive des Anfangsthemas zurück.

  • Fugue

Man möchte es nicht glauben, aber selbst eine Fuge kann tanzen! Es ist ein aberwitziges Stück, welches manchmal mit Gegenmetren in beiden Parts aufwartet, wie auch mit grotesken Collagen. Das Thema wird verkürzt, diminuiert, enggeführt, metrisch verzerrt, von Gegenstimmen überformt, um sich am Ende noch einmal mächtig in Akkordmixtur in der Oberstimme zu behaupten.

  • Adieu

Das Schlussstück trägt seinen Inhalt wieder im Titel. Die wienerisch sich wiegende Melodie ist aber inspiriert von der Musik der Anfangsszene des japanischen Anime „Cowboy Bebop“. Nach einem kurzen Mittelteil wird der Anfangsteil leicht variiert wiederholt. Die Harmonik ist, bewusst in rückwärtsgewandter Nostalgie schwelgend, an Maurice Ravel angelehnt. Doch Moment, was ist das? Diese letzten paar Akkorde?

Uraufführung: September 2010 im Klavierhaus Schoke, Köln, zusammen mit Jovita Zähl

 

2010

  • Fuga brevis

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 2,5 min

Die Fuga brevis entstand im Sommer 2010, als ich Ferien bei meiner Mutter in Österreich machte. In der ländlichen Abgeschiedenheit entstand ein ruhiges, thematisch-motivisch extrem verdichtetes Werk, dessen Thema immer und überall, auch in den Nebenstimmen und Zwischenspielen, in irgend einer Form präsent ist. Seine nach innen gerichtete Expressivität und Kompromisslosigkeit in der Dissonanzbehandlung rücken es in die Nähe der 2. Wiener Schule.

Uraufführung: Winter 2010 in der Hochschule für Musik und Tanz, Köln

 

2012

  • Variationen über ein Thema von Arvo Pärt

Besetzung: Klavier vierhändig

Dauer: ca. 15 min

Gegen Weihnachten 2011 erhielt ich eine Anfrage, für eine Zen-Zeremonie ein Stück schreiben. Ich sagte zu und überlegte, welche Art Musik dem Anlass angemessen wäre. Recht schnell landete ich wieder beim Tintinnabuli-Stil von Arvo Pärt und entschied mich schließlich, das Thema aus seinem Klavierstück „Variationen zur Gesundung von Arinuschka“ als Grundlage für ein vierhändiges Variationswerk zu nehmen. Die Komposition schritt rasch voran, im Februar 2012, einen Monat vor der Zeremonie war ich fertig. Leider stellte sich dann heraus, dass ein Klavier fehlte...

Wie in der Fratres-Phantasie gehen hier die Variationen direkt ineinander über, bleiben aber, sowohl von der Technik als auch vom Stil her, näher am Thema. Ein großer Steigerungsbogen spannt sich vom Beginn über 9 Variationen hin, wo kontinuierlich die Bewegung, Satzdichte und Dynamik gesteigert wird. In einer klanglichen Eruption bricht das Stück schließlich aus dem Stil aus, nur um sich sofort in der nächsten Variation in hellem A-Dur zu entspannen. Am Ende löst sich das Thema vollständig auf.

Uraufführung: Sommer 2012 in der Hofburg Brixen, Südtirol, zusammen mit Jovita Zähl

 

2013

  • Minroud

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 9 min

Dieses Werk ist ein reines Klangstück (das Pedal bleibt die ganze Zeit liegen), das gänzlich auf „Melodien“ und herkömmliche Satztechnik verzichtet. Es wächst heraus aus der langsamen, oftmaligen Wiederholung des Tons A, zu welchem nach und nach weitere Töne und Klänge hinzutreten. Die Bewegung beschleunigt sich allmählich, um am Ende wieder abzubremsen und langsam auszuschwingen. Die Dynamik bleibt im Pianobereich.

Der Name stammt aus der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende und bezeichnet dort ein Bergwerk, wo die vergessenen Träume der Menschen zu Tage gebracht werden, die sich in surrealistischen Bildern auf hauchzarten Marienglastafeln tief in der Erde manifestieren. Das Besondere an ihnen ist, dass sie nur in Stille existieren können. Jedes laute Geräusch lässt sie zu Staub zerfallen.

Komponiert wurde das Stück in der ersten Februarwoche 2013.

Uraufführung: Dezember 2014 im Studio Deutz, Köln, mit Sara Hansen am Klavier

 

  • zeit klang erlauschen

Besetzung: Singstimme und Klavier

Dauer: ca. 13 min

Ursprünglich als Liederzyklus angelegt, wurde es dann doch etwas mehr. Auch die Textvorlage, sechs Haikus der Dichterin Meiju, ist mehr als eine Gedichtsammlung zum Thema „zeit klang erlauschen“, sondern bildet eine so stringente, schlüssige Einheit, dass die Musik ebenfalls zusammenhängender komponiert sein musste.

Jedes der sechs Haikus wird in einem anderen Stil vertont, zusammengehalten durch das vom Anfang bis Ende ununterbrochen durchgehaltene Pedal im Klavier. In diesem Rahmen werden sowohl in Singstimme wie auch Klavier die Ausdrucksextreme abgeschritten: von klanglosem Flüstern bis zum Aufschrei.

Die Komposition zog sich, mit Unterbrechungen, über die ganze erste Jahreshälfte hin.

Uraufführung: November 2013 im Studio Deutz, Köln, zusammen mit Elisabeth Menke, Sopran

 

2014

  • Nicht-mehren

Besetzung: Chor 16stimmig (4 x Sopran, 4 x Alt, 4 x Tenor, 4 x Bass)

Dauer: ca. 20 min

Nach dem gleichnamigen Gedicht der Dichterin Meiju entstand von April bis Ende Juni dieses siebenteilige Chorwerk, das in seiner Gliederung der Textvorlage folgt. Der philosophisch-mystische Inhalt des Gedichts spiegelt sich in der ruhigen Entwicklung, dem langsamen Tempo und im teilweisen Einsatz von mikropolyphonen Techniken. Ideal für eine Aufführung ist ein großer, halliger Raum mit weiten Verteilungsmöglichkeiten für den Chor.

Die Vertonung ist asemantisch, das heißt Textverständlichkeit und Textausdeutung im herkömmlichen Sinne ist nebensächlich. Primäre Bedeutung hat jedoch die musikalische Entwicklung, die in meditativer, fast zeitloser Langsamkeit erfolgt.

 

2015

  • Nocturne

Besetzung: Klarinette und Klavier

Dauer: ca. 12 min

Der Titel Nocturne entstand durch die wörtliche Übertragung des deutschen Wortes Nächtlich ins Französische. Nächtlich kann sehr viel sein, viel mehr als jene romantischen Charakterstücke von Fréderic Chopin, die gleichwohl durch ihre zauberhaften Klanglichkeit den Bedeutungsinhalt dieses Begriffs bis heute prägen.

Mir ging es um die emotionale und atmosphärische Auslotung dieser Gattung über Chopin und die Romantik hinaus, weshalb als Mittelteil ein phantastischer bis grotesker Walzer steht, quasi ein Sinnbild für buntes Nachtleben – und den Versuch, Dunkelheit und Stille mit hektischer Betriebsamkeit zu verdrängen. Diese Stimmung wird in den ruhig-meditativen Rahmenteilen evoziert, wo sich weitgespannte Melodiebögen in der Klarinette über ausgedehnte Klangflächen im Klavier spannen. Das Stück entsteht aus der Stille und kehrt dorthin wieder zurück.

Die Komposition zog sich mit Unterbrechungen über einen Großteil des Jahres hin. Ich begann im Frühjahr, fertig wurde das Stück dann Anfang November.

Uraufführung: Februar 2016 im Domforum Köln durch Kiveli Dörken (Klavier) und  Matthias Beltz (Klarinette)

 

  • Sphinx

Besetzung: 2 Klaviere

Dauer: ca. 13 min

Mit dieser Komposition begann ich noch während der Komposition des Nocturne. Nach erfolgreicher Beendigung konnte ich mich diesem neuen Stück verstärkt widmen und schloss es dann auch relativ rasch Anfang Dezember ab.

Wie bei Minroud handelt es sich hier um ein flächig komponiertes Klangstück, wo das Pedal die ganze Zeit in beiden Klavieren liegen bleibt. Diese Technik tritt allerdings in Verbindung mit einer recht strengen Kanontechnik, bei welcher - ähnlich wie bei Ligeti - polyphone Stimmführung in Klangfläche umschlägt, ohne dass es allerdings zu einer echten Mikropolyphonie käme.

Ausgangspunkt ist eine Zwölftonreihe in absteigenden Quarten, deren Töne sich nach unten hin immer mehr verlängern. Eine langsame Entwicklung und Belebung wird erreicht durch Verkürzung des Einsatzabstands, sowie Beschleunigung der Notenwerte. Diese Entwicklung gipfelt in der scheinbaren Umkehrung der Zwölftonreihe, welche allerdings eine Illusion ist.

Im zweiten Teil des Stücks findet eine Beruhigung statt, die Zwölftonreihe erscheint in Achtelnoten, verdichtet sich noch einmal, schwingt dann aber in ihrer Umkehrung durch Verlängerung des Einsatzabstands langsam aus.

Der Titel entstand während der Komposition durch den rätselhaften Charakter der sich quasi wie von selbst entfaltenden Klangwelt. Ich hatte oft wenig mehr zu tun als herauszufinden, wo der nächste Ton hin“musste“ ...und darauf achten, dass das Ganze spielbar blieb!

 

2017

  • Fuga quasi Toccata sopra un tema di Andreas Winkler

Besetzung: Klavier, Violine und Tenorsaxophon

Dauer: ca. 7 min

Die etwas merkwürdige Besetzung dieses Stücks entsprang dem äußeren Anlass, einen Beitrag zu einem Kooperationskonzert von zeitKlang und dem A-Trio zu verfassen. Da Andreas Winkler den Kontakt zu diesem Ensemble hergestellt hatte, wollte ich dem durch Bezug auf ein Stück von ihm Rechnung tragen. Vor Jahren bereits hatte ich seinen Zyklus von 12 Präludien und Fugen kennengelernt, bei dessen Uraufführung ich mitwirken durfte. Am originellsten fand ich seine Fuge in h, deren Thema aus nur einem Ton besteht! Dieses Thema wählte ich nun für meinen Beitrag zum zeitKlang-Konzert mit dem A-Trio am 17. März 2017 im Domforum Köln.

Allerdings blieb es nicht bei diesem einen Fremdmaterial. Andreas' Thema sollte nicht allein bleiben, und so verwob ich in das Stück Zitate von allen zeitKlang-Komponisten (natürlich nur solche, die in motivischem Zusammenhang mit dem Hauptthema stehen!). Zum Hauptthema tritt später noch ein eigenes Thema hinzu, das zwar in melodischem, jedoch nicht charakterlichem Gegensatz steht und ebenfalls mit dem Element der Tonwiederholung spielt. Im jazzigen Endteil werden beide Themen in der Tradition der Doppelfuge miteinander gekoppelt und erklingen sowohl in der Unter- wie auch Oberstimme.

Diese Komposition beschäftigte mich vor allem in der 2. Jahreshäfte 2016, immer wieder unterbrochen von anderen Verpflichtungen. Nach dem großen zeitKlang-Konzert windstrings am 12. Januar in der Alten Feuerwache konnte ich sie endlich Ende Januar 2017 abschließen.

Uraufführung: März 2017 im Domforum Köln durch das A-Trio