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So fing es anAufnahme: WDRAufnahme: WDR

Meine musikalische Laufbahn begann auf dem Klavier, als „Reproduzierer“ bereits bestehender Musik, was die ersten 14 Jahre meines musikalischen Lebens dominierte. Ich begann früh, im Alter von vier Jahren, nachdem mein Vater, der damals oft und gern Klavier spielte, entdeckt hatte, dass ich bereits anhand der Noten verschiedene Komponisten und Stücke unterscheiden konnte.

Noten lesen fiel mir leicht, ich konnte es früher als Buchstaben lesen. Entsprechend langweilte ich mich oft in der musikalischen Früherziehung, die ich mit fünf Jahren besuchte. Also kam ich in die städtische Musikschule von St. Pölten (Niederösterreich), wo ich bei Irmgard Blazej, später bei Sara Cox-Bryans Einzelunterricht bekam. In diese Zeit fällt auch mein erster öffentlicher Auftritt mit dem städtischen Orchester von St. Pölten, mit dem ich den langsamen Satz aus Mozarts C-Dur Klavierkonzert KV 466 spielte.

Mit 11 Jahren kam ich als Jungstudent an die Musikhochschule (heute Musikuniversität) Wien in die Klavierklasse von Imola Joo, zwei Jahre später wechselte ich nach Salzburg zu Anton Czjzek. In dieser Zeit nahm ich mehrmals an dem Klavierwettbewerb „Prima la Musica“ (ursprünglich „Jugend musiziert“) teil, bei dem ich regelmäßig auf Landesebene einen 1. Preis und auf Bundesebene einen 2. Preis gewann. Erst mit „Gradus ad Parnassum“ im Jahr 1999 konnte ich auch auf Bundesebene den 1. Preis erringen. Zu dieser Zeit studierte ich aber schon wieder seit zwei Jahren in Wien bei Noel Flores, nachdem ich das Alter für ein reguläres Studium erreicht hatte.

In all den Jahren nahm ich das klassische Repertoire langsam durch, vom Barock bis hin zur Spätromantik. Natürlich spielte ich viel Bach, Mozart, Beethoven, Schubert und Chopin, erst später kamen Brahms, César Franck, Reger und Rachmaninov hinzu.

Bekanntschaft mit der Moderne machte ich eigentlich erst in Köln, wohin ich im Jahr 2003 als Erasmus-Student zu Klaus Oldemeyer ging, um im nächsten Jahr die Aufnahmeprüfung in Klavier und Tonsatz zu absolvieren. Im Jahr 2005 gewann ich dann den Max-Reger Wettbewerb in Weiden und entschloss mich, es damit mit den Wettbewerben gut sein zu lassen.

Im Nachfolgejahr machte ich mein Klavierdiplom, womit meine langen Studienjahre – offiziell zumindest – für's erste ihr Ende fanden.

 

 

pianoduo elaeisFotograf: Brian BrandtFotograf: Brian Brandt

Im Jahr 2008 wurde ich um die Mitwirkung bei einer 2-Klaviere Fassung des Karnevals der Tiere gebeten und lernte dabei die Kölner Pianistin Jovita Zähl kennen. Schnell erkannten wir, dass wir eine ähnliche Arbeitsweise und vor allem ähnliche Interpretationshaltung (siehe unten) hatten. Weitere Projekte folgten und irgendwann im nächsten Jahr beschlossen wir, ein Klavierduo zu gründen.

Für mich war es der Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen (Neuen) Musik, was mir auch als Komponist sehr zugute kam. Wir spielten eben nicht nur Mozart, Schubert, Liszt, Debussy und Ravel auf vier Händen/zwei Klavieren, sondern auch John Cage, Arvo Pärt und – vor allem! - Morton Feldman.

Im Jahr 2012 trat das Label Mode Records an uns mit der Idee heran, alle Klavierwerke für mehr als zwei Hände des amerikanischen Komponisten Morton Feldman auf CD einzuspielen. Nach langer Planungs- und Vorbereitungsphase konnten wir dieses Projekt 2014 schließlich verwirklichen. In einer drei Konzerte umfassenden Reihe in der Musikhochschule Köln stellten wir das Werk der Konzertöffentlichkeit vor und nahmen es anschließend im großen Sendesaal des WDR auf. Diese Einspielung wurde im Mai und Juni 2015 im Rahmen der vierteiligen Reihe „Feldman piano(s)“ auf WDR 3 gesendet.

Mit dabei waren außer Jovita und mir die Pianisten Peter Degenhardt, John McAlpine und Friedrich Jaecker, der Cellist Rohan de Saram, sowie die Sängerinnen Sarah Schnier, Claudia Böttcher, Nicole Ferrein, Sylvia Koke und Stefanie Kunschke.

 

 

Meine Interpretationshaltung

Schon relativ früh machte ich die Erfahrung, dass es einem Musikstück meist schadet, etwas hinzuzugeben, was nicht drin ist. Dagegen gilt es das, was da ist, so klar und direkt wie möglich dem Publikum zu vermitteln. Dann – so meine Erfahrung zumindest – wirkt das Stück am besten.

Erst viele Jahre später entdeckte ich, dass dies die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Interpret“ ist: lateinisch interpretire heißt vermitteln. Insofern kann man diese Interpretationshaltung durchaus eine phänomenologische nennen, da sie sich auf ihre Ursprünge und Wurzeln zurück bezieht.

Wenn ich ein Stück erarbeite, ist mir seine architektonische und klangliche Struktur, der Aufbau, am wichtigsten. Die Musik kann sich erst auf dieser objektiven Grundlage entfalten. Daher ist für mich ein wichtiger Schritt bei jedem Stück die Struktur/Formenanalyse. Danach, nach dem das „was“ geklärt ist, kann ich mir über das „wie“ Gedanken machen, also wie und auf welche Weise diese Struktur zum Klingen gebracht werden kann.

Über dieses „wie“ zu sprechen ist allerdings nicht mehr angebracht. Übung findet im stillen Kämmerchen statt, nicht im Licht der Öffentlichkeit.